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Aus dem Interview mit dem Zeitzeugen Friedrich Grünhagen:
( ... Mit Beginn der Bauarbeiten für die Pulverfabrik waren Baufirmen
aus allen Teilen des "Großdeutschen Reiches" mit dem Aufbau
beschäftigt. An der ehemaligen Reichsstraße 215 (jetzt B 215) in Höhe
der überdachten Lkw-Unterstellplätze der Kaserne in Barme entstand
1938 ein Barackenlager für eine Abteilung des Reichsarbeitsdienstes
(RAD). Nach Kriegsbeginn, ungefähr 1940, wurde der RAD verlegt und das
Lager in "Todtlager" umbenannt.
Der RAD führte hauptsächlich Erdarbeiten wie das Ausheben von
Kabelgräben, Planierarbeiten und das Stechen von Grassoden für die
Dachtarnung der Gebäude aus.
Die Baufirmen beschäftigten Arbeiter und Handwerker u.a. aus
Süddeutschland, dem Sudetenland, aus Österreich, Italien und der
Tschechoslowakei.
Zum Teil waren die Arbeitskräfte auch dienstverpflichtet. Das
Arbeitsamt muss damals das Recht der bestimmenden Mitwirkung gehabt
haben, d.h. die Wahl des Arbeitsplatzes war für die im "Großdeutschen
Reich" lebenden Menschen nicht mehr frei. Auch erinnere ich mich, dass
Landarbeiter, die wegen der besseren Verdienstmöglichkeiten zu
Baufirmen wechseln wollten, vom Arbeitsamt nicht freigegeben wurden.
In der Landwirtschaft herrschte zu dieser Zeit
Arbeitskräftemangel. Die Landarbeiter waren darüber erbost und
schimpften in Privatkreisen darüber.
Mit Beginn des Frankreichfeldzuges 1940 kamen dann aus den besetzten
Gebieten zunehmend Arbeitskräfte nach hier, zuerst Belgier und
Holländer. Von Belgien kamen hauptsächlich Flamen, mit denen wir uns
auf Plattdeutsch gut verständigen konnten. Zu meiner Zeit, in der ich
in der EIBIA tätig war, gab es verhältnismäßig wenige deutsche
Arbeitskräfte in der Pulverfabrik. Viele deutsche Männer waren zu
diesem Zeitpunkt - 1942 - bereits zur Wehrmacht eingezogen worden.
Die Arbeiter waren nun Belgier, Holländer, Italiener, Tschechen,
Franzosen, Polen und viele Russen. Es
kamen auch viele Frauen, die zwangsverpflicht bzw. aus ihrer Heimat
nach Deutschland verschleppt worden waren. Dies traf besonders für die
Menschen aus Frankreich, Polen und der UdSSR zu ... )
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