Bericht des Zeitzeugen M.:
Ich war damit beauftragt, im Frühjahr 1942 mit sowjetischen
Kriegsgefangenen an der Weser bei Barme das Einlaufbauwerk für die
Abwasserleitung der Pulverfabrik zu bauen. Die Gefangen sollten mit
Spaten am Weserufer den schweren Lehmboden aufgraben, um so Raum für
das Bauwerk zu schaffen. An dem körperlichen Zustand der Gefangenen
merkte ich jedoch, dass diese kaum in der Lage waren, einen Spaten
festzuhalten. Mit diesen Arbeitskräften konnte ich meine Aufgabe nicht
erfüllen. Deshalb organisierte ich ein Ruderboot und ließ einen Sack
Zement von den Gefangenen zum gegenüberliegenden Weserufer
transportieren. Dort befand sich ein Bauernhof. Ich wusste, dass der
Bauer den Zement gut gebrauchen konnte. Deshalb war es nicht
schwierig, gegen Zement Kartoffeln einzutauschen. Damit dieser Handel
nicht auffiel, wurden die Kartoffeln in den zuvor ausgeleerten
Zementsack geschüttet und das Boot wurde mit den Kartoffeln
zurückgerudert. Im Schutze der Uferböschung wurden die Kartoffeln von
den Gefangenen auf einem Feuer geröstet und gierig verschlungen. Ich
bin froh, dass mich niemand bei der Gestapo angezeigt hat.
(Berichtstag 10. August 1995)
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Ein verhungernder Sowjetsoldat in einem deutschen Kriegsgefangenlager 1941
- nach einer Dokumentaraufnahme gezeichnet von Irina -
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Bericht des Zeitzeugen A.:
Es war im Herbst 1942 zur Kartoffelerntezeit. Mein Schwiegervater fuhr
mit einem Pferdegespann am EIBIA-Werksgelände entlang. Auf dem Wagen
befand sich eine Ladung frisch geernteter Kartoffeln. Plötzlich
sprangen ungefähr 5-6 abgerissene Gestalten aus dem Wald. Mein
Schwiegervater erschrak, denn er hatte zuvor nichts gehört. Diese
Personen, es waren sowjetische Kriegsgefangene, liefen zu dem
Ackerwagen und stopften sich die Taschen mit Kartoffeln voll. Mein
Schwiegervater erfasste sofort, dass diese Gefangenen große Not
litten. Er hielt das Pferdefuhrwerk an und ließ sie gewähren. Genauso
schnell wie sie gekommen waren, verschwanden die Gefangenen auch
wieder im Wald.
(Berichtstag 10. Dezember 1995)
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