SIE HABEN AUF DEN TAG DER BEFREIUNG GEWARTET. SIE HATTEN
PLÄNE GESCHMIEDET FÜR DIE ZEIT DANACH. SIE WAREN STOLZ, DASS
IHRE KAMERADEN DEN KRIEG GEWONNEN UND IHR LAND, DIE
SOWJETUNION, BEFREIT HATTEN. SIE HATTEN GEHOFFT, ALS HELDEN
GEFEIERT ZU WERDEN. SIE GLAUBTEN AN DIE ZUKUNFT. DOCH DANN KAM ALLES GANZ ANDERS. |
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Ihre Geschichte beginnt am 22. Juni 1941, als die deutsche Wehrmacht
die Sowjetunion überfällt. Millionen russischer Soldaten ziehen aus,
um ihr Land zu verteidigen. Viele von ihnen sind voller
Begeisterung. Sie glauben der offiziellen Propaganda von der
unauflöslichen Einheit zwischen dem Sowjetvolk und der Roten
Armee. Doch die militärischen Erfolge der Roten Armee können mit der
Begeisterung nicht Schritt halten. Schon in der ersten Woche des
Krieges geraten eine Million der sowjetischen Soldaten in die
Kriegsgefangenschaft. Der Kreml reagiert eiskalt.
Er hält ihre Zahl geheim. Er verschweigt überhaupt, dass es
Kriegsgefangene gibt. Gefangenschaft - das ist in der offiziellen
Ideologie des Sowjetkommunismus nicht vorgesehen.
Schliesslich, als das Problem nicht mehr von der Sowjetführung
totgeschwiegen werden kann, wird ein unglaublicher Befehl gegeben:
"Niemand ergibt sich lebend. Die letzte Kugel hebt der sowjetische
Soldat für sich selbst auf." Am 16. August 1941 erlässt Stalin den
Befehl, dass die gefangenen Rotarmisten von den eigenen Truppen mit
allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu vernichten sind. Das kann
geschehen durch den Beschuss vom Boden oder aus der Luft. Den
Angehörigen der Gefangenen ist jede staatliche Hilfe zu
verweigern. Sie alle gelten als Verräter ...
Nach zwei Jahren Krieg gegen die deutsche Wehrmacht gewinnen die
Sowjets immer mehr Schlachten. Sie stoßen immer weiter vor und immer
mehr Kameraden können sie aus der Gefangenschaft befreien. Russische
Soldaten, die aus schlichtem Patriotismus für ihr Land gekämpft haben,
die in den Lagern der Deutschen oft unsägliche Leiden überstanden
haben und sich jahrelang durch die Hoffnung auf diesen Tag der
Befreiung "über Wasser gehalten haben", diese ehemaligen Gefangenen
erwartet eine fürchterliche Bestrafung. Genauso ergeht es auch den
verschleppten Zivilarbeitern (Zwangsarbeitern). Reihenweise werden
drakonische Urteile verhängt, oftmals auch in Abwesenheit der
Angeklagten. Nach amtlichen Unterlagen lautet das Urteil über 150.000
mal: Tod durch Erschießen. Die Siegesfeiern im Mai 1945 finden ohne
sie statt, ohne all jene, die ihr Leben für den Sieg aufs Spiel
gesetzt und ihre besten Jahre hinter Stacheldraht verbracht hatten.
1956 wurden sie endlich amnestiert. Und erst 1995 durch einen Erlass
des russischen Präsidenten werden sie und ihre Angehörigen im vollen
Umfang rehabilitiert.
Von fünf Millionen sowjetischen Kriegsgefangenen des zweiten
Weltkrieges sind heute 20.000 übrig geblieben.
(Die ZEIT in VOX - Schülermitschrift einer TV-Sendung)
In diesem Gebäude waren nach Aussage des Zeitzeugen H. im Winter 1941
sowjetische Kriegsgefangene untergebracht. H. sah, dass die
Kriegsgefangenen bei strenger Kälte auf dem kahlen Betonfußboden
schlafen mußten. H. erklärt weiter, dass die Gefangenen von
Landesschützen scharf bewacht wurden. Die Kriegsgefangenen kamen von
einem großen Nienburger Kriegsgefangenenlager mit der Bahn nach
Dörverden. Auf dem Weg vom Bahnhof Dörverden nach Diensthop wurden die
Gefangen entlang der Bahnstrecke geführt. Sie sollten nicht durch die
Ortschaft gehen. Zeitzeuge F. berichtet, dass er während des Krieges
mit einem Pferdefuhrwerk Kohlstrunken nach Diensthop zum
"Russenlager" gebracht habe. Diese Kohlreste sollten als Verpflegung
für die Gefangenen verwendet werden. Die Kohlblätter waren zuvor schon
an das Vieh verfüttert worden.
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Nach übereinstimmenden Zeitzeugenberichten gab es in der Anlage
DIENSTHOP, die zur EIBIA-Pulverfabrik Dörverden gehörte, ein Lager für
sowjetische Kriegsgefangene. Diese Gefangenen waren auch beim Ausbau
der Anlage Diensthop eingesetzt. Die Anlage DIENSTHOP bestand einmal
aus ca. 26 Gebäuden. Neben Aufenthalts- und Lagergebäuden gab es dort
auch Anlagen, die der Produktion zuzuordnen sind. (368/ ... Lang- und
Zylindersieb; 369/ ... Mischtrommelgebäude). Nicht geklärt ist, welche
Pulversorten hier bearbeitet wurden und ob sowjetische Kriegsgefangene
hier auch in der Pulverproduktion gearbeitet haben.
Ein Zeitzeuge erinnert sich, dass er als Kind nach Kriegsschluß 31
Gräber gesehen habe. Die Toten seien 1947 exhumiert und auf einem
anderen Friedhof bestattet worden.
(Zeitzeuge M. 5/1997)
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Zeitzeugen aus Dörverden erinnern sich
Zeitzeuge H. berichtet, dass sein Vater während des Krieges im
sog. Sterbelager Heemsen bei Nienburg als Wachmann eingesetzt war. In
diesem Lager waren die sowjetischen Gefangen, die schwer erkrankten,
untergebracht. Täglich starben dort junge Kriegsgefangene an
Infektionskrankheiten und an Unterernährung. Die noch lebenden
Gefangenen nahmen die Wolldecken der Verstorbenen, um aus den
Wollfäden kleine Gebrauchsgegenstände zu knüpfen.
Die Gefangenen bewiesen dabei viel Geschick. Sie versuchten dann, ihre
kleinen Arbeiten bei gutwilligen deutschen Wachposten gegen Brot
einzutauschen.
Zeitzeuge W. berichtet, dass während des Krieges ein russischer
Kriegsgefangener nachts allein in Dörverden gewesen sei. Vermutlich
wollte er sich dort Essbares besorgen. Während der Nacht wurde
Fliegeralarm ausgelöst. Der Gefangene versteckte sich in einem
Luftschutzbunker auf dem Grundstück von W. Als W's Schwestern in der
Dunkelheit dann in den Bunker gehen wollten, sahen sie schemenhaft die
zerlumpte Gestalt des Kriegsgefangenen. Sie erschraken sehr und holten
ihren Großvater. Der Großvater verständigte die Polizei. Der Gefangene
wurde von drei Uniformierten (vermutlich Landesschützen) abgefürt. Als
W`s Vater, der zu dieser Zeit Soldat war, nach dem Krieg von diesem
Vorfall erfuhr, war er sehr ungehalten. Er meinte, man hätte den armen
Gefangenen lieber mit einem Stück Brot nach dem Fliegeralarm
wegschicken sollen anstatt die Polizei zu holen. Die Festnahme habe
für den Gefangenen sicherlich die schwersten Folgen gehabt.
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