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... Von den 28 Kindern, die im Sterbebuch der Gemeinde Dörverden
als Opfer des Nationalsozialismus festgehalten sind, ist heute kein
einziges in der Gräberliste des Kirchengemeindefriedhofes zu finden!
Es waren 15 sowjetische Kinder, fünf französische, fünf belgische, ein
slowakisches Kind, eines, dessen Nationalität mit "volksdeutsch"
angegeben ist, und ein Kind ohne Angabe der Nationalität; unter diesen
Kindern sind drei Zwillingspaare. Am Tag ihrer Geburt, am 23. März
1944 starben die beiden belgischen Zwillinge Alfons und Robert
Michiels. Am 1. Mai 1944 starb das sowjetische Mädchen Valentina
Kissilowa im Alter von zehn Wochen, im August 1944 starben die
neugeborenen Zwillinge Alexandra und Wassil Romanowskaja. Im November
1944 starb ein Kind, im Dezember 1944 starben fünf, im Januar 1945
zwei, im März 1945 sechs Kinder, darunter die französischen Zwillinge
Francoise und Jeanine Lemettre. Acht Kinder sind nach der Befreing
gestorben. Das älteste dieser Kinder, das sowjetische Mädchen Dusja
Luncenko, war bei seinem Tod achteinhalb Monate alt.
Krause-Schmitt, Ursula: Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des
Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945, Band 2: Niedersachsen 1, Köln
1985, S. 107-108
... die Mütter können ihren Kindern oft nur beim Sterben zuschauen ...
Im Arbeitsamtsbezirk Verden waren nach dem Stand des Jahres 1944 etwa
17000 Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter eingesetzt. Davon waren
ein Drittel Frauen. Sie wurden, nachdem sich kaum noch freiwillige
Arbeitskräfte anwerben ließen, in jungen Jahren, oft schon ab 13
Jahren, aus ihren Heimatorten brutal verschleppt und nach Deutschland
gebracht. Hier mussten sie unter menschenunwürdigen Bedingungen
Zwangsarbeit leisten, sei es in Rüstungswerken - etwa die
"EIBIA-Dörverden" sei es in der Landwirtschaft. Kontakt zu Deutschen
war ihnen verboten; der Kontakt untereinander war nur im geringfügigen
Ausmaß möglich. Und wenn sich Freundschaft oder gar Liebe zwischen
ihnen entwickelte, so waren die Folgen nicht minder fürchterlich. Die
Kinder der "Ostarbeiterinnen'' wurden in sogenannte
Ausländerkinderpflegestätten gebracht, was für die Mehrzahl der Babys
den sicheren Tod aufgrund der unzureichenden Ernährung und Behandlung
bedeutete. Die Mütter hatten das "Recht", ihre Kinder zwei Stunden in
der Woche zu besuchen - sie konnten ihnen oft nur beim Sterben zuschauen.
(Kreisarchiv Verden)
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Zeitzeuginnenbericht zur Situation der in Dörverden geborenen Kinder
von Zwangsarbeiterinnen:
Die Zeitzeugin war im Kinderheim Eitze, Landkreis Verden
beschäftigt. In diesem Heim waren auch die in Dörverden geborenen
Kinder von Zwangsarbeiterinnen untergebracht.
(Die Zeitzeugin möchte auch 50 Jahre nach Kriegsende nicht von ihren
Erlebnissen im Kinderheim Eitze sprechen.)
Protokoll des Zeitzeugeninterviews vom 28.4.1997 und die Analyse von
Dokumenten zur Situation von Zwangsarbeiterinnen, die Mutter wurden,
und dem Schicksal ihrer Kinder.
(Dargestellt von Irina,Stefanie, Sabine und Sabrina)
Die Zwangsarbeiterinnen und -arbeiter in Dörverden stammten aus
verschiedenen Ländern (z.B. aus Polen, UdSSR, Belgien, Frankreich,
Tschechoslowakei, Frankreich, Italien, Serbien und Jugoslawien).
Als sie im 2. Weltkrieg nach Dörverden gekommen waren, wurden die
Männer und Frauen voneinander getrennt untergebracht. Das bedeutete
auch, dass sie nicht heiraten durften und keinen Sex miteinander haben
sollten. Manche Frauen wurden trotzdem schwanger. Sie durften aber
nicht den Erzeuger ihres Kindes heiraten. Sie durften auch nicht in
ihre Heimat zurückkehren, um dort das Kind zur Welt zu bringen, denn
sie mussten weiterhin in Dörverden arbeiten. Nach der Entbindung wurde
ihnen ihr Kind weggenommen und in ein Pflegeheim gebracht, denn die
Frauen mussten gleich nach der Entbindung weiterarbeiten.
Die Versorgung in dem Pflegeheim war schlecht. Die Kinder bekamen,
wenn sie Glück hatten, Milch. Viele Säuglinge starben an
Unterernährung innerhalb von wenigen Tagen oder Wochen. Die Mütter
konnten nichts dagegen tun, weil sie die Kinder nur wenige Stunden in
der Woche sahen. In der übrigen Zeit mussten sie ja arbeiten.
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Von der NS-Führung gewolltes Kindersterben in allen Teilen des
Deutschen Reiches - in der Spätphase des 2. Weltkrieges:
... Auch von der Firma Krupp in Essen war ein Lager für Kinder der
auf der Gußstahlfabrik beschäftigten Ostarbeiterinnen eingerichtet
worden - das Kinderheim "Buschmannshof" in Voerde bei Dinslaken. Es
wurde 1943 eröffnet, weil, wie der Kruppsche Oberlagerführer später
erklärte, die Zahl der Ostarbeiterkinder weiter anstieg und die
Platzverhäiltnisse im Kruppschen Krankenhaus in Essen nicht mehr
ausreichten. Deshalb wurden die Kinder in Voerde von einem Teil der
russischen Mütter unter der Leitung einer deutschen Frau betreut. Von
den 120 Kindern aber, die dort untergebracht waren, starben zwischen
Herbst und Winter 1944 mindestens 48 in Folge einer
Diphtherie-Epidemie, die offensichtlich auch durch schlechte Versorgung
der Kinder mit Lebensmitteln hervorgerufen worden war ...
... Im Mai 1944 wurde in dem Dorf Velpke bei Helmstedt von Seiten der
NSDAP ebenfalls ein derartiges Kinderheim eröffnet, um dort die
neugeborenen Kinder der im Kreis Helmstedt beschäftigten
Ostarbeiterinnen unterzubringen, die ihnen, wenn nötig, mit Gewalt
weggenommen wurden. Leiterin des Heimes war eine "volksdeutsche"
Lehrerin, assistiert von vier jungen Ostarbeiterinnen. Zwischen Mai
und Dezember wurden dort 110 polnische und russische Kinder
untergebracht, von denen 96 in diesem Zeitabschnitt starben - an
Epidemien, Unterernährung und "allgemeiner Schwäche", obwohl sie bei
guter Gesundheit und mit warmer Kleidung dort eingeliefert worden
waren ...
Herbert, Ulrich: Fremdarbeiter – Politik und Praxis des
Ausländereinsatzes, Berlin 1985, S. 249-250
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